Freitag, 16. Dezember 2011

Magnus Hirschfeld - "das falsche Idol"*


Teil 1: Hirschfelds Position zur Homosexualität


Das Bundesjustizministerium gab in diesem November bekannt, dass in Berlin die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld errichtet und mit zehn Millionen Euro ausgestattet worden sei. Laut BMJ will die neue Stiftung „der gesellschaftlichen Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen in Deutschland entgegenwirken. Das von den Nationalsozialisten an Homosexuellen verübte Unrecht soll historisch aufgearbeitet und dokumentiert werden. Darüber hinaus sollen Leben und Werk des Namensgebers Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) wissenschaftlich erforscht und dargestellt werden.“[1]
Magnus Hirschfeld wurde als Sohn des jüdischen Medizinalrats Hermann Hirschfeld in Kolberg geboren und gilt als „Vater der ersten homosexuellen Bürgerrechtsbewegung.“[2] Sein Institut für Sexualwissenschaft wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerstört. Im Pariser Exil unternahm er zusammen mit seinen beiden Lebensgefährten Tao Li und Karl Giese den Versuch, das Institut neu zu gründen, was jedoch nicht gelang. Nach Aussage seines Biografen Manfred Herzer war Hirschfeld homosexuell, lebte seine sexuelle Orientierung aber nicht offen aus. Aus einem Polizeiprotokoll von 1920 geht hervor, dass ihm einmal die versuchte Verführung jugendlicher Postboten vorgeworfen wurde.[3] 

Hirschfeld bezeichnete Homosexualität als „Anomalie[4] und „angeborene Missbildung[5]: Somit haben wir es bei den Abweichungen vom normalen Trieb nicht mit einer Krankheit im gewöhnlichen Sinn zu thun, sondern mit einer angeborenen Missbildung, welche anderen Hemmungen der Evolution, der Hasenscharte, dem Wolfsrachen, der Epispadie, der geteilten Gebärmutter, dem Nabelbruch etc. gleichartig an die Seite zu setzen ist.“ Völlig konträr zur heute propagierten Ansicht, Homosexualität sei ganz normal, stufte er sie unter „Geschlechtsanomalien und Perversionen“ ein und widmete ihr einige Kapitel in seinem Buch „Geschlechtsverirrungen“, das er kurz vor seinem Tod abschloss. Hirschfelds Beschreibung homosexueller Frauen und Männer in seinem Buch „Berlins Drittes Geschlecht“ kontrastiert heftig zu dem auf CSD-Paraden vermittelten Trugbild, Schwulsein sei „gay“ (fröhlich): „Unglückliche, Entrechtete, die den Fluch eines geheimnisvollen Rätsels der Natur durch ihr einsames Leben schleppen.“[6]

Obwohl er Homosexualität für angeboren hielt, erwähnte Hirschfeld in seinem Lehrbuch folgende Beobachtung: „Viele Patienten, die an periodischer Neurasthenie litten, sagten uns, dass sie im Zustand der Depression homosexuelle Triebe hätten, im Zustand der Erhobenheit aber hetero-sexuelle.“[7] Wie passt das zu der Behauptung der Homosexuellenbewegung, homosexuelle Gefühle seien unveränderbar?

Heute ist es schon fast Mainstream-Meinung, Homosexualität und Heterosexualität seien beide gleichberechtigte, gute und normale Formen der Sexualität. Hirschfeld dagegen schreibt in seinem Vorwort zu „Berlins Drittes Geschlecht:“ „Die Vorzüge der normalsexuellen Liebe, wie sie – um nur von vielen einen zu nennen – vor allem im Glücke der Familie zum Ausdruck gelangen, sind denn doch so gewaltige, die Nachteile, die aus der homosexuellen Anlage erwachsen, so außerordentliche, dass, wenn ein Wechsel der Triebrichtung möglich wäre, er gewiss für die Homosexuellen, nicht aber für die Normalsexuellen in Betracht kommen würde.“[8] Offenbart Hirschfeld damit vielleicht auch seine eigene Sehnsucht nach „Normalität“? Mit Sicherheit würde er heute für eine solche politisch-inkorrekte Wortwahl angegriffen, taugt doch die Bezeichnung „normalsexuell“ nicht gerade für den Kampf gegen die „Heteronormativität“.    

Wer heute über Therapiermöglichkeiten der Homosexualität laut nachdenkt, kann sich aggressiver Reaktionen sicher sein. Hirschfeld tat dies im Jahr 1908 in seiner Vorbemerkung zu Aufsätzen des Wiener Arztes und Psychoanalytikers Isidor Sadger: „Da vielen der Homosexuellen der gewiss berechtigte Wunsch innewohnt, heterosexuell zu empfinden, müssen wir jedem Arzt dankbar sein, der neue Behandlungsmöglichkeiten aufweist. Nachdem die hypnotische Behandlung die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat, bemühen sich seit einiger Zeit Prof. Dr. Freud-Wien und seine Schüler, unter denen der Herr Verfasser obiger Arbeit eine hervorragende Stellung einnimmt, mittels der Psychoanalyse gegen die Homosexualität therapeutisch vorzugehen. Noch ist es natürlich nicht möglich, ein abschließendes Urteil über das neue Verfahren zu fällen, doch wollen wir nicht unterlassen, die Ärzte und die Homosexuellen auf Freuds analytische Methode hinzuweisen, die jedenfalls den Sexualstatus wesentlich tiefer und gründlicher angreift, wie die Hypnose.“[9] Heute müssen Ärzte und Therapeuten, die über Behandlungsmöglichkeiten informieren, befürchten, mit Berufsverbot bedroht zu werden.[10] Was würde Hirschfeld wohl dazu sagen?

Hirschfeld war so davon überzeugt, dass Homosexualität mit erheblichen Nachteilen verbunden ist, dass er sogar mehrere Homosexuelle an Professor Steinach in Wien überwies, der ihnen die Hoden entfernte und sie durch die Hoden heterosexueller Männer ersetzte.[11] Diese Versuche, homosexuelle Männer von ihrer sexuellen Orientierung zu befreien, können nur als grausame Menschenexperimente bezeichnet werden. Der Ethnologe Andreas Seeck nennt sie „Kastrationsversuche zwecks Umpolung von unglücklichen Schwulen.“[12] 

Man fragt sich, wieso die Stiftung ausgerechnet nach einem Sexualwissenschaftler benannt wurde, der Aussagen machte, die von Vertretern der Homosexuellenbewegung heute als homophob gebrandmarkt würden. So sieht es auch das Deutsche Ärzteblatt, das diese Namensgebung einen „Fehlgriff“ nennt.[13] 


[2] Webseite Magnus-Hirschfeld-Ufer, abrufbar unter http://www.hirschfeld.lsvd.de/index.php?option=com_content&view=article&id=12&Itemid=16
[3]
Herzer, M., Magnus Hirschfeld. Leben und Werk eines jüdischen, schwulen und sozialistischen Sexologen, Campus Verlag Frankfurt/New York 1992, S. 84.
[4] Hirschfeld, M., Geschlechtsverirrungen (Originaltitel: Geschlechtsanomalien und Perversionen), Verlag Guillaume Aldor A.G., Villefranche-Nice 1938, S. 227.
[5] Hirschfeld, M., Sappho und Sokrates, S. 15.
[6] Hirschfeld, M., Berlins Drittes Geschlecht, 1904, Neuauflage Verlag rosa Winkel 1991, S. 77.
[7] Hirschfeld, M., Geschlechtsverirrungen, S. 232.
[8] Hirschfeld, M., Berlins Drittes Geschlecht, 1904.
[9] Sadger, I., Jahrbuch 9, 1908, S. 424.
[10]
Christian counsellor's attempt to cure gay man was 'malpractice', The Telegraph vom 27.05.2011, abrufbar unter http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/8542895/Christian-counsellors-attempt-to-cure-gay-man-was-malpractice.html
[11] Herzer, M., Magnus Hirschfeld, S. 78.
[12] Seeck, A., Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit? LitVerlag Münster 2003, S. 227.
[13] Gerst, Thomas, Randnotiz: Namenlos wäre besser gewesen, abrufbar unter  http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=105859


* Peter Kratz über Magnus Hirschfeld: http://www.trend.infopartisan.net/trd7800/t357800.htm#anm2

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