Freitag, 8. April 2011

Weshalb ein Homosexueller gegen die Homo-Ehe ist

Richard Waghorne ist Forschungsstipendiat der "School of Politics and International Relations" am University College Dublin und schreibt als politischer Kommentator für irische Zeitungen. Am 5. April veröffentlichte er den Artikel GAY MARRIAGE in der Irish Daily Mail und erklärte, weshalb er – ungeachtet seiner eigenen Homosexualität – gegen die Homo-Ehe ist.

Einige Passagen dieses mutigen und bemerkenswerten Statements habe ich übersetzt:


Wenn man als schwuler Mann zu erklären versucht, weshalb man gegen die Homo-Ehe ist, stiftet man erst einmal Verwirrung. Das ist durchaus verständlich, denn man weiß ja, wie schnell eine Diskussion über die Homo-Ehe aus dem Ruder geraten kann und man dem Vorwurf der Homophobie ausgesetzt wird. Damit wird oft die offene oder versteckte Botschaft vermittelt, wer gegen die Homo-Ehe ist, sei auch gleichzeitig gegen Schwule.(…)

Die reflexartige Reaktion vieler Verteidiger der Homo-Ehe geht dahin, jeglichen Widerspruch als Vorurteil hinzustellen. Jeder, der die in dieser Form bis dato bestehende Ehe verteidigt, so wird behauptet, sei entweder bigott oder habe sein seelisches Gleichgewicht verloren.

Homosexuelle sollten jedoch das traditionelle Eheverständnis genauso vehement wie alle anderen verteidigen. Wenn dieses im Namen der Homosexuellen mit Folgen für kommende Generationen unterminiert wird, ist es umso wichtiger, dass Schwule, die gegen die Homo-Ehe sind, dies auch öffentlich sagen.

Seit dieser Woche können gemäß dem letztes Jahr beschlossenen Gesetz eingetragene Partnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren ganz offiziell geschlossen werden. Damit stehen homosexuellen Paaren nun fast alle rechtlichen Möglichkeiten offen. Viele von uns kennen Leute, die jetzt oder in Zukunft davon profitieren. Um ein häufig strapaziertes Klischee zu benutzen, könnte man jetzt sagen: feiert den Sieg und geht heim.(…)

Die Ehe ist nicht dafür da, Menschen, die sich verlieben und ihrer Beziehung Dauer verleihen wollen, einen gesellschaftlichen Bonus zu vermitteln. Das heißt natürlich nicht, dass Liebe und Romantik unwichtig für eine Ehe wären – sie sind nur nicht der Grund für ihren besonderen Status. Wenn die Ehe wegen romantischer Gefühle geschützt werden sollte, dann gäbe es keinen Grund, zu unterscheiden, welche Beziehungen darunter fallen und welche nicht. Mit dem Wesen der Ehe hatte und hat das jedoch nichts zu tun.

Die Ehe ist ein lebenswichtiger Rahmen, innerhalb dessen Kinder von einem Mann und einer Frau großgezogen werden können. Natürlich kommen nicht in allen Ehen Kinder zur Welt. Und es gibt auch schon gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder aufziehen. Aber die Wirklichkeit sieht doch so aus, dass Ehen generell auf Kinder ausgerichtet sind und gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht.(…)

Wenn ich oder meine schwulen Freunde eingetragene Partnerschaften schließen, dann ist es viel unwahrscheinlicher, dass wir auch Kinder aufziehen werden. Es geht also um folgende Frage: Weshalb sollte trotz dieses fundamentalen Unterschiedes eine homosexuelle Beziehung einer Ehe gleichgestellt werden?

Eine Fülle von Forschungspublikationen hat gezeigt, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau das günstigste Lebensumfeld für Kinder ist und dass Kinder aus stabilen Ehen in vielen Bereichen am besten abschneiden. Damit sollen natürlich andere Familien nicht diskreditiert werden, es unterstreicht jedoch die Bedeutung der Ehe als Institution.

Aus diesem Grund ist die Forderung nach einer Homo-Ehe doppelt falsch. Diese Forderung impliziert nicht, die Ehe auf Schwule auszuweiten, sondern sie neu zu definieren. Das Verständnis der Ehe als bestehende und um starker Familien zuliebe unterstützte Institution verändert sich dahingehend, die Ehe nur noch als Schlusspunkt einer Liebesbeziehung zu sehen. Wenn man homosexuellen Paaren die gleiche Ehefähigkeit zuerkennt, obwohl homosexuelle Partnerschaften nicht auf Kinder ausgerichtet sind und per Definition einem Kind weder Mutter noch Vater bieten können, dann ist das wesentliche Verständnis davon, was eine Ehe tatsächlich ist, verlorengegangen.

Bei einer solchen Ehe rangieren die Erwachsenen vor den Kindern. Ich halte das für ausgesprochen selbstsüchtig und einen viel zu hohen Preis für eine symbolische Geste der Gleichbehandlung heterosexueller und homosexueller Beziehungen. Es ist ja auch nur eine symbolische Geste. Entspricht es nicht dem gesunden Menschenverstand, unterschiedliche Situationen unterschiedlich zu behandeln? Meine persönliche Meinung: Ich fühle mich nicht im Geringsten diskriminiert, weil ich keinen Angehörigen meines eigenen Geschlechts heiraten kann. Ich verstehe und akzeptiere, dass es dafür gute Gründe gibt.(…)

Die breite Unterstützung der Homo-Ehe heutzutage ist eher eine instinktive Reaktion und kommt daher, dass keiner in den Verdacht geraten will, er sei gegen Schwule.(…)

Es ist jetzt an der Zeit, einmal richtig über die Homo-Ehe zu diskutieren. Dabei darf aber keiner länger das Gefühl haben, er sei gegen Schwule, wenn er die Homo-Ehe nicht blind befürwortet. Nur dann kann der wichtigste und wahre Grund, weshalb die traditionelle Ehe unterstützt werden sollte, wieder in den Vordergrund treten. Was den Kindern unserer Nation am besten dient, muss an erster Stelle stehen.


Mit seinem Artikel hat Richard Waghorne ein starkes Echo in den Medien ausgelöst und eine Erwiderung geschrieben, in der er betont:

Die Homo-Ehe hat Auswirkungen auf alle Ehen, weil damit das Eheverständnis der Öffentlichkeit verändert wird… Es ist völlig falsch, die Ehe neu definieren zu wollen, nur um Homophobie zu bekämpfen. Hiermit unterwirft man eine Institution, die dem Kindeswohl dient, einer anderen Sache.

Kommentare:

  1. Danke für den Hinweis auf / die Übersetzung von diesem differenzierten und sachlichen Statement!

    Ich habe gerade den Link zu diesem Eintrag auf der Diskussionsseite der aktuell laufenden Petition zur Wahrung des besonderen Schutzes von Ehe+Familie geposted:
    http://www.openpetition.de/petition/online/familie-muss-mainstream-bleiben

    Gern weitersagen!

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  2. Und dieser Kommentar zur Ergänzung: https://philosophia-perennis.com/2017/06/28/warum-ich-als-homosexueller-gegen-die-ehe-fuer-alle-bin/

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